Ein Naturparadies ist bedroht
Die Donau-Auen zwischen Maria Ellend und Wildungsmauer sind ein besonders wertvolles Herzstück des Nationalparks. Die niedrige Geländehöhe führt zu regelmäßigen Überflutungen und auch ein frühes Renaturierungsprojekt aus den 1990er Jahren sorgt für einen vergleichsweise naturnahen Auwald. Doch die idyllische Landschaft trügt, denn das Nebenarmsystem Haslau-Regelsbrunn verlandet. Die Verbindung zur Donau wird von Jahr zu Jahr schwächer, die Gewässer werden immer kleiner und seichter. In warmen Sommern kommt es daher vermehrt zu Fischsterben, einer starken Erwärmung des Wassers und zu übermäßigem Algenwachstum im Nebenarm.
So ist das Nebenarmsystem auch mitverantwortlich für den dramatischen Rückgang der Fischbestände im gesamten Donauabschnitt. Waren 2007 bei den offiziellen Erhebungen noch 248,4 kg Fische pro Hektar vorhanden, lag der Wert 2016 nur mehr bei 87,3 kg Fische pro Hektar. 50 kg pro Hektar ist der EU-Grenzwert für den guten ökologischen Zustand eines Gewässers.
Ein besser mit der Donau verbundenes Nebenarmsystem könnte hier als wellenschlaggeschützter und gut strukturierter Lebensraum wichtige Aufgaben übernehmen: Fische können hier wieder besser laichen und für Jungfische bieten solche Nebenarme eine ideale Kinderstube. Beides trägt dazu bei, dass sich Fische wieder besser und natürlicher vermehren können.
Die großen Wasserflächen täuschen. An manchen Tagen ist kaum mehr Wasser im Nebenarm Haslau-Regelsbrunn und es kommt zu einem übermäßigen Wachstum der Algen.
Darüber hinaus gräbt sich die Donau im Abschnitt Maria Ellend bis Wildungsmauer immer tiefer in ihr Bett ein: die Sohleintiefung betrug in den letzten Jahrzehnten rund 50 cm! Mit einem verantwortungsvollen Geschiebemanagement (seit 2016 werden am unteren Ende des Donauabschnitts große Mengen an Kies gebaggert, stromauf geführt und verklappt – mehr dazu hier) und ersten Rückbauprojekten gelang es, gegenzusteuern und den Trend zu stoppen. Dennoch ist aufgrund des sinkenden Donauwasserspiegels die Wassermenge im Nebenarm rückläufig.
Ein Vergleich: floss im Jahr 2009 noch an etwa 200 Tagen im Jahr Wasser von der Donau durch die betonierten „Einlaufkästen“ in die Nebenarme, so war dies im Jahr 2014 nur noch an 140 Tagen der Fall, und die Häufigkeit nimmt immer noch stetig ab. Diese fallenden Wasserspiegel der Donau und des Nebenarmes haben aber auch Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung der Region, denn damit sinkt auch der Grundwasserspiegel.