viadonau, Wirtschaft

Smart, wettbewerbsfähig, resilient. Mit einem dichten „Fitnessprogramm“ wollen die Donauländer die Wasserstraße stark für die Zukunft machen und den Strom in einem sich wandelnden europäischen Verkehrsnetz optimal positionieren. Bei den von viadonau veranstalteten Danube Business Talks am 11. Juni in der Wirtschaftskammer Österreich zeichnete man mit einem rund 170-köpfigen Fachpublikum unter dem Motto „Navigating Change – Towards a sustainable Future“ den gemeinsamen Weg zur Wasserstraße von morgen. Top-Expertise, aktuelle Einschätzungen aus erster Hand und innovative Lösungen lieferten hochkarätige Profis aus Wirtschaft, Schifffahrt und Wasserstraßenverwaltung.

Bundesminister Peter Hanke (BMIMI) heißt mit viadonau-Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler die Teilnehmer:innen der Danube Business Talks 2026 in der WKÖ in Wien willkommen

Bundesminister Peter Hanke (BMIMI) heißt mit viadonau-Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler die Teilnehmer:innen der Danube Business Talks 2026 in der WKÖ in Wien willkommen, Foto: © viadonau/Johannes Zinner

Gut besucht! Ein rund 170-köpfiges Fachpublikum kam zur beliebten Donaukonferenz in Wien zusammen und wurde von Moderator Antonio Stoean von Pro Danube International sympathisch und kompetent durch die Veranstaltung geleitet

Gut besucht! Ein rund 170-köpfiges Fachpublikum kam zur beliebten Donaukonferenz in Wien zusammen und wurde von Moderator Antonio Stoean von Pro Danube International sympathisch und kompetent durch die Veranstaltung geleitet, Foto: © viadonau/Johannes Zinner

Mitten in der Verkehrswende Europas stehen alternative Lösungen für ein nachhaltigeres multimodales Verkehrsnetz höher im Kurs denn je. Im direkten Vergleich der Verkehrsträger ist längst klar: Will man die Straße entlasten, Emissionen deutlich reduzieren und das Verkehrsnetz ohne neue Flächenversiegelung stärken, ist die Donau der entscheidende Joker. Dass man für die Zukunft der Wasserstraße auch vonseiten der Politik gemeinsam mit den Donauländern an einem Strang ziehen muss, verdeutlichte bereits zur Eröffnung der Danube Business Talks Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) Peter Hanke im Gespräch mit viadonau-Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler. Klar ist: Während die Binnenschifffahrt in Sachen Umweltfreundlichkeit und Kapazitäten seit jeher Klassenprimus ist, gilt es auch ihre Infrastruktur, Verlässlichkeit und Krisenfestigkeit zu optimieren. Nur so können dauerhafte Anreize für die Wirtschaft geschaffen und die Donau endgültig als attraktive Alternative im europäischen Verkehrsnetz von morgen etabliert werden. Konzepte, Ideen und innovative Ansätze dafür liegen längst auf dem Tisch und werden in zahlreichen Projekten zum Beispiel für das „Greening“ der Binnenschifffahrt, eine maßgeschneiderte Donaulogistik und moderne Infrastruktur auch bereits umgesetzt. Jedoch, wie auch Moderator Antonio Stoean von Pro Danube International wiederholt appellierte, müsse gerade jetzt, da der Klimawandel und die internationale Sicherheitslage die Binnenschifffahrt immer stärker unter Druck setzen, der gemeinsame Kurs umso kraftvoller gehalten werden.

Mit mehr Innovation zu weniger Emission – Flotten sinnvoll modernisieren

Gerade bei Mobilität beginnt moderne Entwicklung mit der nachhaltigen Reduzierung von Treibhausgasen. Sinnvolle Strategien und Lösungen dafür können entlang eines natürlichen Verkehrsträgers, der zehn Länder miteinander verbindet, aber nur grenzübergreifend gedacht werden. Laut Martin Quispel vom Expertise and Innovation Centre for Inland Barging (EICB) gelte es dabei ebenso die verschiedenen nationalen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Nachhaltige Innovation ist für den Experten daher keine Frage der Technologie, sondern vor allem der wirtschaftlichen Machbarkeit der einzelnen Staaten und Flotten. Während eine vollständige Elektrifizierung auf der Wasserstraße derzeit noch kaum praktikabel sei, könne man treibstoffseitig mit klaren Vorgaben und entsprechender CO2-Bepreisung kurz- und mittelfristig Verbesserungen erzielen. Die aussichtsreichsten Kandidaten: das hydrierte Pflanzenöl HVO100, das keine neue Infrastruktur und Antriebstechnik erfordere, sowie Methanol und Biomethan, wofür allerdings neue schiffstechnische Konzepte, Retro-Fitting und geeignete Bunker-Infrastruktur nötig wären. Die internationale Basis zur Modernisierung der europäischen Binnenschifffahrt sei indes laut Quispel seit vielen Jahren gut gelegt und äußerst aktiv – allen voran mit der Plattform zur Umsetzung grüner Schifffahrts-Innovationen PLATINA4 aber auch mit zahlreichen aktuellen Projekten wie FAIRway Danube II, COMEX2, DiVINE und SYNERGETICS. Apropos: Welche konkreten Herausforderungen beim Betrieb mit alternativen Treibstoffen sowie entsprechenden schiffstechnischen Modernisierungen (Retrofit) zu meistern sind, hatte die Innovation Action SYNERGETICS in den vergangenen Jahren anhand mehrerer Schiffsfahrzeuge im Realeinsatz erhoben – darunter auch das viadonau-Schubschiff Bad Deutsch-Altenburg. Benjamin Friedhoff vom deutschen Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme e. V. (DST) ist von der Bedeutung des im Projekt wissenschaftlich begleiteten Praxistests überzeugt. Die Daten und Erfahrungen daraus bildeten eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für den gesamten Binnenschifffahrtssektor und zeigten auf, was mit bestehenden Flotten heute schon möglich ist.

Emission-Reporting und smarte Fahrassistenz für mehr Effizienz

Während Zero-Emission-Ziele im Verkehrsbereich in aller Munde sind, ist es für konsequente Fortschritte gleichermaßen wichtig, zu wissen, wo man steht. Leonie Morsch, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Rhenus Logistics, weiß: Gerade bei den dynamischen Verhältnissen einer Wasserstraße ist die Erhebung von Emissionsdaten zwar eine besondere Herausforderung aber gleichzeitig unerlässlich für eine aussagekräftige Datenbasis. Emission-Reporting sorge für Transparenz, unterstütze die Einhaltung wesentlicher Vorgaben in globalen Lieferketten, stärke das Vertrauen zu Kunden und Stakeholdern und werde von diesen vielfach bereits gefordert. Die Hürden seien derzeit noch vor allem methodischer Natur. Beispiele: außerhalb der Betriebsfahrten durchgeführte Bunkerfahrten oder auch Leerfahrten. Während Emissionen auch bei Fahrten ohne Ladung entstehen, werden diese nicht im Sinne der Tonnenkilometer systematisch erfasst. Zudem werden äußerst komplexe Daten unter verschiedenen Fahrtbedingungen von unterschiedlichen Fahrzeugtypen erhoben, was eine verlässliche Auswertung erschwere. Das Transport Management System (TMS) müsse entsprechend weiterentwickelt werden, um die Vollständigkeit und Vergleichbarkeit der Daten zu gewährleisten.

Digitale Lösungen erobern in der Binnenschifffahrt immer mehr Bereiche des Fahrbetriebs und ermöglichen nicht nur höhere Treibstoffeffizienz, sondern auch mehr Betriebssicherheit. Für Evert Bulcke, Digitalisierungsexperte bei der Tresco Group, sorge smarte Steuerelektronik und -software, die direkt am Ruder der Kapitän:innen ansetzt, bereits heute für einen wichtigen Modernisierungsschub in Richtung Zukunft. Stichwort: Automatisierung. Mithilfe einer präzisen automatischen Routenverfolgung und punktgenauer Echtzeit-Rückmeldungen des sogenannten TrackPilots (TGAIN) als elektronische Steuer- und Navigationsunterstützung könne Treibstoff gespart und das Unfallrisiko reduziert werden. Angesichts der auf der Wasserstraße oft geringen Platzverhältnisse, des zuweilen dichten Verkehrs und des für die Crews daher erhöhten Stressaufkommens stecke in derartigen Automatisierungslösungen, mit denen das Unternehmen bereits rund 1000 Schiffe ausgestattet habe, großes Modernisierungspotenzial.  

Quo vadis Güterschifffahrt?
Mit alten Stärken und neuen Nutzungschancen aus der Krise fahren

Die jährlichen Verkehrs- und Transportbilanzen zur Donau ergeben seit vielen Jahren ein ambivalentes Bild. Während sich die Passagierschifffahrt ungebrochener Beliebtheit erfreut, scheint die Güterschifffahrt mit angezogener Handbremse zu fahren. Sechs Millionen Tonnen an transportierten Gütern wurden im Jahr 2025 gezählt, 2019 waren es noch 8,5 Millionen Tonnen. Bei den Podiumsdiskussionen zu Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der Wasserstraße war man sich über die Gründe einig: Klimawandel, internationale Sicherheitslage und Nachholbedarf für geeignete Anreize. Häufigere Trockenheitsphasen und damit einhergehende Niederwasserperioden machen eine wirtschaftliche Nutzung des Wasserwegs mit ausreichenden Abladetiefen der Güterschiffe – also der akzeptablen Ausnutzung ihrer Kapazitäten – zunehmend unsicher. Umso mehr sind die Donaustaaten gefordert mit moderner, proaktiver Instandhaltung der Fahrrinne dagegenzuhalten. Gleichzeitig sollen Wirtschaft und Wasserstraße noch enger zusammengeführt werden. Laut Herbert Pribitzer, Berater der EU-Kommission für den Rhein-Donau-Korridor, könne man sich einiges vom Rhein abschauen. Die Donauhäfen müssten noch stärker in industrielle Lieferketten eingebunden und geradezu integrale Bestandteile von Montageprozessen mit entsprechenden Strukturen werden, von wo aus der Weitertransport z. B. von Fahrzeugen oder großen Maschinenteilen über die Donau dann besonders attraktiv sei. Nachdem, wie Ralf Jina von DDSG Mahart hervorhob, aufgrund des Konflikts am Persischen Golf der wichtige Treibstoffkostenvorteil der Binnenschifffahrt zumindest vorübergehend weggebrochen sei, verbleibe für Pribitzer immerhin noch der Transport von „High-&-Heavy“-Ladung als Hauptargument für die Wasserstraße.

Der Klimawandel beweist seit vielen Jahren: Krisen können den Fokus von Politik und Wirtschaft nachhaltig verlagern. Neue Notwendigkeiten entstehen, bislang wenig beachtete Perspektiven gewinnen an Bedeutung. David Bachmann vom Außenwirtschaftscenter Kyjiw gewährte bei den Danube Business Talks eindrucksvolle Einblicke in den Alltag eines kriegsgebeutelten Landes, das unerschütterlich bemüht ist, seine Wirtschaftskraft aufrechtzuerhalten. Seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs wird die Sicherheitslage Europas grundlegend neu bewertet. Was kann die Donau nicht nur als Versorgungsader, sondern auch als sicherheitsstrategisch bedeutsamer Verkehrsträger leisten? Für Ines Poppinger, Young Professional bei viadonau, sind es gerade die traditionellen Stärken der Wasserstraße – die enormen Kapazitäten des Binnenschiffs aber auch die allgemeine Robustheit des Verkehrsträgers –, die sich ebenso für militärische Transportzwecke besonders eigneten. Die Idee, die Donau neben der zivilen auch auf eine verstärkte militärische Nutzung auszurichten, bildet den Kern der von Birgit Kobierski (BMIMI) präsentierten „Dual-Use“-Strategie im Rahmen des EU-Förderprogramms der Connecting Europe Facility (CEF). Die Häfen, so führte Kobierski aus, bildeten dabei die entscheidenden Verbindungspunkte. Ihre multimodale Infrastruktur mache sie auch für militärische Transporte zu optimalen Umschlagszentren und Verteilern. Die Donau sei dabei also kein „Nice to have“, sondern müsse vielmehr als redundanter und resilienter Transportkorridor in Krisenzeiten verstanden und als wichtiger Verkehrsfaktor in die europäische Sicherheits- und Verteidigungsstrategie integriert werden.

Europa und die Donau-Community zu Gast in Wien

Die Danube Business Talks bilden alle zwei Jahre ein starkes Gravitationszentrum für ein vielfältiges und kontinuierlich wachsendes europäisches Fachpublikum. Von den Niederlanden bis zur Schwarzmeerküste folgten heuer auch Partner verschiedener internationaler Donau-Projekte dem Ruf aus Wien. So kamen die Projekt-Communities des heuer endenden Vorhabens SYNERGETICS sowie des seit 2023 laufenden FAIRway Danube II bei den Danube Business Talks zusammen. Neben dem Besuch abwechslungsreicher Themen-Sessions wurde auch die Möglichkeit des Business Datings wieder gerne genutzt, um neue Geschäftskontakte zu knüpfen, frische Ideen auszutauschen oder sich zur Wirtschaft am Strom auf den neuesten Stand zu bringen. Kein Wunder – die Verbundenheit mit der Donau und das gemeinsame Engagement für den Erfolg der Wasserstraße jenseits von Staatsgrenzen beschreiben schließlich den Geist der Danube Business Talks, der in der Bundeshauptstadt erneut ein starkes Lebenszeichen gab.

Die von viadonau organisierten Danube Business Talks 2026 wurden von der Außenwirtschaft Österreich und Hafen Wien unterstützt.

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