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Fachkonferenz in Wien – Die Thaya im Spotlight innovativer Flussrenaturierung

viadonau, Umwelt

Am 13. Oktober hießen viadonau und das tschechische Flussraummanagement-Unternehmen für das March-Einzugsgebiet Povodí Moravy ein rund 60-köpfiges Expertenpublikum im Hotel Arcotel Kaiserwasser in Wien willkommen. Die dem INTERREG-Projekt Nature Connect Dyje/Thaya gewidmete Fachkonferenz schlug einen weiten geografischen Bogen von der Thaya über die March bis zur Donau und beleuchtete dabei u. a. die Wirkung von Revitalisierungsmaßnahmen als gezielte Strategie gegen die Einflüsse des Klimawandels.

Große Personengruppe vor dem viadonau-Schiff MS Negrelli

Eine besondere Gelegenheit für die Konferenzteilnehmer:innen: ein Besuch bei den Stören des Projekts LIFE-Boat4Sturgeon, Foto: © viadonau

60 Menschen in Seminarraum

Ein rund 60-köpfiges Fachpublikum kam zum vielfältigen Expertenaustausch nach Wien, Foto: © viadonau

Schlauchbootbesatzung auf der Donau

Renaturierung im Großformat: Am Tag nach der Konferenz ging es mit den Flussbauprofis aus Österreich und Tschechien auf die Donau östlich von Wien, Foto: © viadonau

Vor fast genau einem Jahr starteten an der Thaya auf österreichischer Seite die Baumaßnahmen zur Umsetzung des bilateralen INTERREG-Renaturierungsprojekts Nature Connect Dyje/Thaya, um den Flussabschnitt östlich von Bernhardsthal ökologisch nachhaltig wieder aufzuwerten. Während im Rahmen des Vorhabens ein abgetrennter Mäander auf tschechischer Seite wieder angebunden wurde, galt es in Österreich, einen rund 1.600 Meter langen Uferabschnitt durch bereits vielfach bewährte ingenieurbiologische Maßnahmen zu renaturieren. Auf diese Weise wurde die Biotopvielfalt der Thaya verbessert, ihre Retentionswirkung optimiert und so ein wichtiger ökologischer Trittstein zwischen dem Nationalpark Thayatal, den March-Thaya-Auen und dem Nationalpark Donau-Auen für die Zukunft gesichert. Das INTERREG-Projekt setzte dabei jene innovativ-integrative Entwicklungsstrategie fort, die im Zuge einer außergewöhnlich dichten Projektgeschichte an March und Thaya seit vielen Jahren gemeinsam mit tschechischen und slowakischen Partnern erfolgreich verwirklicht wird – von LIFE Untere March-Auen (2017-2019) und Kli-Ma (2021-2022) bis Thaya 2020 (2018-2020) und aktuell reConnect und Restore4life.

Als herausragender Entwicklungs-Hotspot im Flusssystem Donau-March-Thaya bilden die vielfältigen Projektgebiete an der Thaya zugleich ein bedeutendes Forschungsfeld, um die Wirkung der Maßnahmen zu analysieren und diese im ganzheitlichen Kontext innovativer Renaturierungsmethoden zu betrachten. Unter diesem erweiterten Fokus bot die Fachkonferenz in Wien Experteneinblicke zu neuen Uferstrukturen an der Thaya ebenso wie zum Maßnahmenkatalog für die Donau östlich von Wien. Ein wichtiger und für aktuelle und zukünftige Zielsetzungen maßgeblicher Schwerpunkt: die ökologische Stärkung der Flüsse Mitteleuropas im Klimawandel.

Mit intakten Flusslandschaften zu mehr Robustheit und Anpassungsfähigkeit

Wie beeinflussen dauerhafte klimatische Veränderungen unterschiedliche Lebensraumtypen, und wie verbessern Renaturierungen und Gewässervernetzungen die Robustheit von Flusslandschaften unter diesen neuen, wechselvollen Bedingungen? Roland Janisch (Afry Austria) und Lena Ferstl (blattfisch) präsentierten in Wien Methoden zur Erstellung von Temperaturmodellen in Flusslebensräumen und jüngste Erkenntnisse wissenschaftlicher Habitatanalysen. Während David Veselý (Povodí Moravy) den durch Gewässervernetzungen herbeigeführten flusslandschaftlichen Wandel aus der Vogelperspektive zeigte und Johannes Roither und Thomas Huber (riocom) spezielle Uferstrukturierungen zur Wirkungsanalyse herausgriffen, widmeten sich Jakub Borovec und Jan Pixa (Biology Centre CAS) u. a. Renaturierungen im Umfeld von Hochwasserschutzanlagen. Wie man an der Donau die Resilienz des Flusses gegen den Klimawandel stärkt, demonstrierte Robert Tögel (viadonau) anhand des Maßnahmenkatalogs für die Donau östlich von Wien, bevor Rudolf Jureček und Vladan Riedl (PLA Soutok) über Maßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels in einem 125 Quadratkilometer großen Gebiet am Zusammenfluss von Thaya und March berichteten.

Thomas Friedrich von der BOKU Wien gab mit einem Überblick zum Projekt LIFE-Boat4Sturgeon einmal mehr jenen eine Bühne, die von negativen Umweltveränderungen an Flüssen besonders betroffen sind: Fische. Im Rahmen des von der EU unterstützten und von viadonau, BMLUK, Stadt Wien und der BOKU umgesetzten Vorhabens werden an Bord des viadonau-Schiffes MS Negrelli, das im Anschluss der Konferenz auch besucht wurde, vier Donaustörarten nachgezüchtet und in die Donau ausgewildert, um ihren Bestand dauerhaft zu sichern. Der Erfolg des Stör-Artenschutzprojekts an der Wiener Donauinsel stand auch stellvertretend für die vielen Meilensteine, die man an Donau, March und Thaya schon erreicht hat, und gibt viel Anlass zur Hoffnung für die einzigartige Natur ihrer Flusslandschaften. Die viadonau-Experten Günther Schattauer und Christoph Schachenhofer bestätigten abschließend, dass man bestrebt sei, angesichts einer langen Erfolgsgeschichte und des großen ökologischen Entwicklungspotenzials an March und Thaya in bewährter grenzübergreifender Zusammenarbeit umso intensiver den Erfolgskurs fortzusetzen.

Die Donau östlich von Wien – Beispiele erfolgreicher Renaturierung im Großformat

Am 14. Oktober fand im Rahmen der Fachkonferenz Thaya auch eine Exkursion auf der Donau statt. Gemeinsam mit österreichischen und tschechischen Flussbauexpertinnen und -experten für March und Thaya sowie die Donau paddelte man in drei Schlauchbooten bis nach Hainburg. Bei Zwischenstopps entlang der Strecke wurden die Projekte direkt am Fluss präsentiert, unter anderem bei der Baustelle an der Schwalbeninsel, die im Rahmen des internationalen, von der EU kofinanzierten Naturschutzprojekts LIFE WILDisland renaturiert wird und künftig wieder dauerhaft vom Festland getrennt sein soll. 

Flussbau- und Hochwasserschutzexperte Günther Schattauer stellte klar:

Die Lektion, die uns unsere Flüsse lehren, ist simpel: Bewegung ermöglicht Entwicklung. Indem wir ihnen wieder mehr Bewegungsfreiheit geben, erhöhen wir die Flussdynamik und damit die Lebensraumvielfalt und verbessern zugleich ihre Rückhaltefunktion im Hochwasserfall. Vergangene Erfolge geben uns recht und sind zugleich eine Verpflichtung für eine verantwortungsbewusste Zukunft. Innovativ, integrativ und über Grenzen hinweg müssen wir auf diesen Erfolgen weiterbauen.

viadonau-Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler erklärte:

Heute sind March und Thaya für uns weniger natürliche Grenzen als vielmehr verbindende Elemente mit einzigartiger Umwelt. Nicht erst seit der extremen Trockenheit des Sommers 2026 ist für uns die vorausschauende und verantwortungsvolle Entwicklung unserer Flüsse oberstes Gebot. Mit ganzheitlicher Strategie und starkem europäischen Gedanken in vielfältigen grenzübergreifenden Partnerschaften zeigen wir seit vielen Jahren in Projekten wie Nature Connect Dyje/Thaya, wie man einen Fluss in ein nachhaltiges, ökologisch wertvolles Morgen führt. Gerade jetzt, da der Klimawandel für uns alle spürbar ist, ist es wichtig, die Erfolge an March und Thaya vorbildhaft ins Rampenlicht zu rücken.