Presseinformation, FGP, viadonau

Mit Unterstützung der EU-Förderprogramme Horizon Europe, INTERREG Slowakei-Österreich und des European Open Rivers Programme revitalisiert viadonau die Paradeisinsel an der Donau östlich von Wien. Die Grundlagen der gemeinsam mit der BOKU Wien, dem Verein DANUBEPARKS und dem Nationalpark Donau-Auen geplanten Maßnahmen sind in dem bereits 2023 gestarteten Projekt DANUBE4all erarbeitet worden. Als Vorzeigevorhaben mit klarem Fokus auf Forschung und Innovation liefern die Maßnahmen die Blaupause für Renaturierungvorhaben an der gesamten Donau. Am 6. März lud viadonau zum feierlichen Baustart mit Bundesminister (BMIMI) Peter Hanke, Nationalparkdirektorin Edith Klauser, DANUBE4all-Projektkoordinator Helmut Habersack vom Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung (IWA), viadonau-Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler, ÖBf-Leiter Nationalparkbetrieb Donau-Auen Johannes Wimmer und Gemeindevertreter:innen von Orth und Mannsdorf.

Luftaufnahme Paradeisinsel

Die Flussinsel am linken Donauufer zwischen Stromkilometer 1903,50 und 1904,80 war einst infolge der Niederwasserregulierung zu Schifffahrtszwecken entstanden. Aufgrund fortschreitender Verlandung zwischen Insel und Ufer gehen für Flora und Fauna wichtige flussdynamische Prozesse zunehmend verloren, Foto: © viadonau/Johannes Zinner

Gruppenbild, Personen mit Spaten

viadonau-Teamleiter Robert Tögel, viadonau Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler, Bürgermeisterin von Orth/Donau Elisabeth Wagnes, Infrastrukturminister Peter Hanke, Nationalpark-Direktorin Edith Klauser, BOKU-Projektkoordinator Helmut Habersack, der Vorstand des NÖ Landesfischereiverbandes Karl Gravogl und Johannes Wimmer von den Österreichischen Bundesforsten, Foto: © viadonau/Johannes Zinner

Flussinseln – Welten für sich

Wo eine Insel noch eine wilde Insel sein darf, kann sich eine artenreiche und flusstypische Pflanzen- und Tierwelt ungestört entfalten. Ihre isolierte Lage zwischen Flussufer und Hauptstrom verleiht Flussinseln einen ganz eigenen flusslandschaftlichen Charakter und macht sie zu wertvollen, von Menschenhand oft unberührten Natur-Refugien. Zwischen Donauufer und Insel ergeben sich wellenschlagsgeschütze Zonen und die Insel trägt auch dazu bei, eine ausreichende Fahrwassertiefe in der Schifffahrtsrinne zu erzielen. Um diese gefährdeten Bestandteile einer lebendigen Flusslandschaft langfristig zu bewahren, engagiert sich viadonau gemeinsam mit zahlreichen Partnern entlang der österreichischen Donau. Ziel ist es, Flussinseln mit besonderem ökologischem Entwicklungspotenzial durch innovative Lösungen des integrativen Flussbaus zu schützen, aufzuwerten oder sogar neu zu schaffen – wie zuletzt in der oberösterreichischen Marktau (LIFE IP IRIS AUSTRIA) sowie auf der Schwalbeninsel (LIFE WILDisland) östlich von Wien.

An der Paradeisinsel nahe Orth an der Donau – ebenfalls in der freien Fließstrecke östlich von Wien – wird dieser Renaturierungsschwerpunkt nun konsequent fortgeführt. Im Projekt DANUBE4all wird Renaturierung nicht als ein „Zurück ins 19. Jahrhundert.“, sondern als zukunfsorientierter Ansatz verstanden, der auf mehr Resilienz und einen ausgewogenen Ausgleich zwischen Ökologie und Ökonomie abzielt. Die Flussinsel am linken Donauufer zwischen Stromkilometer 1903,50 und 1904,80 war einst infolge der Niederwasserregulierung zu Schifffahrtszwecken entstanden. Aufgrund fortschreitender Verlandung zwischen Insel und Ufer gehen für Flora und Fauna wichtige flussdynamische Prozesse zunehmend verloren.

Von der Paradeisinsel zum Inselparadies – Die Maßnahmen im Überblick

Artenvielfalt braucht Lebensraumvielfalt. Daher werden entlang der Paradeisinsel natürliche Strukturen wieder hergestellt, indem harte Uferverbauungen mit einer Gesamtlänge von etwa 2,7 km entfernt und Buhnenwurzeln abgesenkt werden. So kann eine freie Entwicklung des Uferverlaufs ermöglicht werden, ohne die Schifffahrtsbedingungen zu verschlechtern. Durch die Aufwertung des Seitengewässers hinter der Paradeisinsel – des sogenannten Hinterrinners – entstehen von Wellenschlag geschützte Bereiche für Jungfische als optimale Rahmenbedingungen für eine größere Fischartenvielfalt. Die verbesserte Vernetzung zwischen Fluss und Au, inklusive der verbesserten Voraussetzungen für eine künftige Gewässervernetzung, ermöglicht einen natürlichen Austausch mit dem Grundwasserkörper sowie eine verbesserte Aufnahmefähigkeit der umliegenden Au im Hochwasserfall. Damit die Gewässervernetzung der Donau wieder mehr Raum erhält, wird die Strömungsgeschwindigkeit reduziert. Dadurch wird auch der Eintiefung der Flusssohle entgegengewirkt und gleichzeitig ein Beitrag zur Erhaltung der erforderlichen Fahrwassertiefe für die Schifffahrt geleistet.

Infrastrukturminister Peter Hanke sagt: „Naturschutz und Hochwasserschutz an der Donau – das sind für mich zwei Seiten derselben Medaille, die sich ergänzen. Die einzigartige Pflanzen- und Tierwelt in und an der Donau braucht Raum zum Atmen und zum Gedeihen. Flussinseln wie die Paradeisinsel sind dafür perfekt geeignet. Wenn wir sie so reaktivieren wie es hier geschieht – durch den Abbau harter Befestigungen und die Rückbesinnung auf natürliche Uferstrukturen – gewinnt die Natur, und gleichzeitig wird unsere Donau hochwassersicherer.“

Landesrat und LH-Stellvertreter NÖ Stephan Pernkopf verweist auf den Mehrfachnutzen und das Potenzial von Projekten wie DANUBE4all: „Aus Liebe zum Land geben wir unseren Flüssen wieder mehr Raum! Das schützt wertvolle Arten, hilft aber auch im Hochwasserfall und schützt damit auch die Menschen in der Region! Außerdem entstehen damit herrliche Naherholungsgebiete für die Menschen. Von der Wachau bis zur österreichisch-slowakischen Grenze blicken wir in Niederösterreich bereits stolz auf eine lange Tradition von Vorzeigeprojekten an der Donau, etwa die Wiederanbindungen des Johler Arms bei Bad Deutsch-Altenburg und des Spittelauer Arms bei Stopfenreuth sowie die Renaturierung der Fischamündung. Von neu entstandenen dynamischen Aulandschaft sollen neben bedrohten Fischarten auch Vögel wie etwa der dort brütende Seeadler oder der Eisvogel profitieren.“

Für Nationalparkdirektorin Edith Klauser leistet diese Inselrevitalisierung einen weiteren wichtigen Beitrag zur ökologischen Weiterentwicklung der Flusslandschaft: „Die Renaturierung der Paradeisinsel wird hier im Nationalpark Donau-Auen in bewährter Zusammenarbeit mit DANUBEPARKS, viadonau und der BOKU durchgeführt. Gemäß unserem Motto ‚Freier Fluss. Wilder Wald.‘  entstehen wieder eine echte wilde Donauinsel sowie natürliche Strukturen wie Kiesbänke, Flachwasserbereiche und Uferanrisse. Diese werden rasch erneut von Tieren und Pflanzen besiedelt werden. Solche Projekte sind auch international federführend und der Nationalpark Donau-Auen gilt als Vorzeigemodell für erfolgreichen ökologischen Flussbau.“

Für Helmut Habersack (IWA) hat die wissenschaftliche Begleitung der Maßnahmen große Bedeutung für einen bestmöglichen Entwicklungskurs am Strom: „Gerade wenn es um das komplexe und empfindliche Zusammenspiel so vieler ökologischer und flussdynamischer Faktoren geht, wie hier an der freien Fließstrecke östlich von Wien, sind uns nachhaltige zukunftstaugliche Win-Win- Lösungen, die gleichzeitig eine ökologische und ökonomische Verbesserung darstellen, besonders wichtig. Diese Infrastrukturmaßnahmen dienen der Wirtschaftsförderung, Die übergeordneten Ziele dafür sind klar: Verbesserung des ökologischen Zustands und der Biodiversität, Vernetzung der Ökosysteme, Verringerung des Hochwasser- und Dürrerisikos und die Verbesserung der Sedimentkontinuität und Schifffahrt durch Nature Based Solutions. Mit einem entsprechend treffsicher gestalteten Maßnahmenpaket wird die Paradeisinsel zum Benchmark für optimale Renaturierungsmaßnahmen an der gesamten Donau.“

viadonau-Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler verweist auf den besonderen Mehrwert innovativ aufgewerteter Flussinseln für eine moderne Wasserstraße: „Von der Marktau in Oberösterreich über die Schwalbeninsel bis zur Paradeisinsel östlich von Wien – im Rahmen zahlreicher Projekte zeigen wir immer wieder klar auf, dass Flussinseln kostbare Schatzkammern der Natur sind, die zugleich auch wichtige Funktionen für eine moderne Wasserstraßenentwicklung übernehmen. Mit unserer Idee vom ganzheitlichen Strom, an dem Lösungen für Natur, Schifffahrt und Hochwasserschutz integrativ verwoben werden, ziehen wir gemeinsam mit vielen Partnern an der Donau an einem Strang. Wir haben verstanden: Neu vernetzte Seitengewässer, natürliche Ufer und eine wieder aufblühende Insel, die schließlich ganz sich selbst überlassen bleibt, sind ein lebendiger flussökologischer Erfolg, der auch Verbesserungen für Sicherheit und Schifffahrt bringt.”

Über die Förderprogramme

Die Vision des internationalen Horizon Europe Projekts DANUBE4all ist es, nachhaltige und interdisziplinäre Renaturierungslösungen zu erarbeiten. Dies geschieht unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung und von Interessenvertreter:innen (Science-to-People) für den gesamten Donauraum bzw. das Donaueinzugsgebiet. Das internationale Projekt wird von 23 Partnern und 24 strategischen Partnern aus dem Donauraum umgesetzt. Insgesamt sind 14 verschiedene Nationen beteiligt. Lead Partner ist die Universität für Bodenkultur – Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung (IWA). 

Die Maßnahmen an der Paradeisinsel bilden eine von insgesamt drei Pilotmaßnahmen des Projekts für naturorientierte Lösungen an der oberen und mittleren Donau. Während sich viadonau der baulichen Umsetzung an der Paradeisinsel widmet, ist DANUBEPARKS Verein für die Planung der Maßnahmen zuständig.

Um das große Renaturierungspotenzial der Paradeisinsel und des umliegenden Uferabschnitts umfänglich auszuschöpfen, konnte neben dem Forschungsprojekt Horizon Europe DANUBE4all auch die Unterstützung weiterer Fördergeber erreicht werden. So werden mit den Mitteln des European Open Rivers Programme (Projekt Lost Paradeis) Buhnenwurzeln vor dem Ufer abgesenkt, um so einen durchgehenden Hinterrinner zu schaffen. Durch das Förderprogramm INTERREG Slowakei-Österreich (Projekt Danuberest) wird u. a. die Renaturierung des stromab der Paradeisinsel gelegenen Uferabschnitts unterstützt. Die auf diese Weise an der Paradeisinsel zusammengeführten Maßnahmen sind ein gelungenes Beispiel für zielgerichtete Synergien und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Partnern und Förderprogrammen, um umfassendere Wiederherstellungs- und Schutzziele zu erreichen.

Die Renaturierung der Paradeisinsel ist ein weiterer wichtiger Baustein im viadonau-Maßnahmenkatalog für die Donau östlich von Wien. Das Gesamtbudget für die Bauphase des Vorhabens inklusive aller Fördermittel beträgt rund 1 Million Euro.

Weiterführende Informationen:

DANUBE4all Projektwebsite: https://www.danube4allproject.eu/ 
European Open Rivers Programme: https://openrivers.eu/