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Von wandernden Steinen und dem Leben in der Flusssohle

viadonau, FGP

Derzeit laufen die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg wieder auf Hochtouren. Seit Anfang November sind Forscherinnen und Forscher der Universität für Bodenkultur Wien (IWHW), des WasserClusters Lunz sowie der Firma UWITEC (Umwelt und Wissenschaftstechnik Richard Niederreiter) damit beschäftigt, sogenannte „Freeze Cores“ aus der Donausohle zu ziehen. Ziel ist, die Einmischung der im Rahmen des Pilotprojektes aufgebrachten groben Kiesfraktion (Granulometrische Sohlverbesserung) in die Donausohle nachzuvollziehen sowie etwaige ökologische Auswirkungen zu erkennen.

Freeze Core - Klumpen aus Donaukies

Freeze-Core-Entnahme, Foto: © viadonau/Ursula Scheiblechner

Personen stehen zusammen beim Einschlag des Freeze-Cores

Beim Einschlagen des Cores, Foto: © viadonau/Ursula Scheiblechner

Zwei Personen an jeder Seite teilen den Kiesklumpen

Der Freeze-Core wird schließlich geteilt, Foto: © viadonau/Ursula Scheiblechner

Die Forscherinnen und Forscher dirigieren dabei ein Stelzenponton mittels GPS-Verortung von Probepunkt zu Probepunkt, um wieder exakt jene Flussbereiche zu erfassen, die auch schon in den Vorerhebungen untersucht wurden. Dann wird eine Metalllanze in den Untergrund getrieben und das Gestein mittels Flüssigstickstoff bei minus 196°C an der Lanze festgefroren. Diese gefrorenen Sedimentproben reichen bis in eine Tiefe von einem Meter und haben den Vorteil, die ungestörte Schichtung des Donausedimentes abbilden zu können. Und dabei werden auch die Lebewesen im Kieslückensystem mit erfasst. Es gibt nämlich eine ganze Lebensgemeinschaft von Insektenlarven, Kleinkrebsen, Würmern, Muscheln und Ähnlichem, die sich auf das Leben im Lückenraum von Flusssohlen angepasst hat – das sogenannte Makrozoobenthos. Die Proben werden anschließend an Land gebracht, geschlämmt, getrocknet und gesiebt. Während der WasserCluster Lunz das Makrozoobenthos untersucht, analysiert die Universität für Bodenkultur die Einmischung des aufgebrachten Grobkieses in die Donausohle sowie seinen Transport stromab. So greifen die abiotischen und biotischen Erhebungen ineinander, es wird interdisziplinär und universitätsübergreifend zusammengearbeitet.

Die bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, dass die flussbaulichen Maßnahmen in der Flussmitte, wie das Aufbringen von groben Kiesfraktionen auf der Donausohle, keinen wesentlichen Einfluss auf das Makrozoobenthos hatten. Die Wiederbesiedlung erfolgte sehr rasch und es gab keine wesentlichen Unterschiede in der Tiefenverteilung, Artenzusammensetzung oder Dichte der Lebensgemeinschaft. Die natürlichen Schwankungen überwiegen. Anders war dies in den Uferzonen oder im Johler Arm. Dort, wo der Blockwurf im Rahmen des Uferrückbaus entfernt wurde, glich sich die Artengemeinschaft rasch an jene von natürlichen Kiessubstraten an. Im Johler Arm war vor der Wiederanbindung an die Donau eine Artenzusammensetzung ähnlich der Lebewelt stehender Gewässertypen zu beobachten. Mittlerweile hat sich hier die Artengemeinschaft an die neuen Strömungsverhältnisse angepasst. Mit der derzeitigen Wiederholung der Probenahmen sollen nun auch die längerfristigen Effekte der Baumaßnahmen im Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg erfasst werden.

Das Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg wurde von 2012 bis 2014 baulich umgesetzt und dabei von Anfang an durch ein wissenschaftliches Monitoring begleitet. Mit Baufertigstellung hat die erste Phase der Nacherhebungen begonnen und wurde 2016 beendet. Derzeit läuft die zweite Phase der Nacherhebungen mit einem geplanten Abschluss im Jahr 2020.

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Ursula Scheiblechner



Tel: +43 5 04321-2614

Letzte Änderung:
23. 11. 2017