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Wasserstraße im Klimawandel – Das Abkommen von Paris und die neuen Chancen und Herausforderungen für die Binnenschifffahrt

International

Am 12. Dezember 2015 erklärten sich in Paris erstmals alle 195 Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention bereit, ab 2020 einen aktiven Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen zu leisten. Das gemeinsame Ziel: die Zunahme der Erderwärmung auf maximal 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Der Straßengüterverkehr ist einer der bedeutendsten Schadstofferzeuger und für rund die Hälfte der in Österreich durch den Fahrzeugverkehr verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. viadonau fördert die effiziente Verknüpfung der Verkehrsträger und will damit nicht nur Anreize für die Transportwirtschaft schaffen sondern den Straßengüterverkehr als bedeutende Schadstoffquelle nachhaltig entlasten. „Mehr Schiff – weniger Straße“ als Konzept für eine klimafreundliche Zukunft.

Die Geschichte weiß: Frankreich ist ein guter Boden für Revolutionen mit globaler Wirkungskraft – warum nicht auch in Sachen Klimawandel? Denn das bei der 21. Weltklimakonferenz in Paris errungene Abkommen hat durchaus das Format einer historischen Wende: Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur auf nicht mehr als 2 °C im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter, Förderung der Klimaresistenz und nachhaltige Verringerung der globalen Treibhausgasemissionen, finanzielle Stärkung klimafreundlicher Lösungen und Entwicklungen. Nicht nur die historische Einstimmigkeit ist bemerkenswert: da die bisherigen Emissionsziele für die angepeilten Begrenzungen nicht ausreichen, sollen die Fortschritte ab 2023 alle fünf Jahre überprüft und Reduktionsvorgaben, wenn möglich, auch erhöht werden können. Zudem werden jedes Jahr als finanzielle Unterstützung für den Klimaschutz zunächst 100 Milliarden Dollar von den Industrienationen zu den Ländern des Südens fließen – ein klares Signal, dass die internationale Staatengemeinschaft es diesmal ernst meint und den größten Klimasündern geschlossen den Kampf ansagt.

Österreich erklärte sich im Rahmen der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls (Kyoto II) bereit, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Obwohl europaweit der Bereich Energiewirtschaft mit Abstand der größte Treibhausgaserzeuger ist, bereitet vor allem der Straßenverkehr Kopfzerbrechen. Denn hier waren in den vergangenen Jahren neben der kontinuierlichen Zunahme des Personenverkehrs auch die stärksten Güter- und damit auch Emissionszuwachsraten zu verzeichnen. Mit 450 Millionen Tonnen wurden auf Österreichs Straßen im Jahr 2014 um 6,7 Prozent mehr Güter befördert als noch im Vorjahr. Tendenz weiter steigend. Laut Klimaschutzbericht des Umweltbundesamtes hatte der Verkehrssektor in Österreich im Jahr 2013 einen Emissionsanteil von 28 Prozent. Von 22,3 Millionen Tonnen Treibhausgase entfielen 12 Millionen Tonnen auf den Personenverkehr und rund 10 Millionen Tonnen auf den Straßengüterverkehr. Der Rest verteilte sich auf den Flug-, Schienen- und Schiffsverkehr. Seit 1990 fand im Verkehrssektor ein Anstieg von deutlich über 60 Prozent statt. Die durch den LKW-Verkehr verursachten CO2-Emissionen haben sich im selben Zeitraum sogar verdoppelt. Dabei gibt es Alternativen, die nicht unbedingt neu sind und trotzdem auf innovative Weise dem Klimawandel entgegenwirken können, wenn sie effizient in das europäische Gesamtverkehrsnetz eingebunden werden. So kann das Binnenschiff effizient genutzt die Treibhausgasbilanz Österreichs und Europas langfristig verbessern. viadonau widmet sich diesem Ziel in zahlreichen nationalen und internationalen Projekten und fördert die Binnenschifffahrt im Sinne des Nationalen Aktionsprogramms Donau ganzheitlich – von der multimodalen Vernetzung bis zu spezialisierten Bildungsangeboten.

Multimodal das Klima schonen
Wussten Sie, dass ein Schubverband mit vier Schubleichtern die Ladung von bis zu 280 LKW (25 Nt) oder 175 Güterwaggons (40 Nt) auf einmal befördern kann? Das Binnenschiff ist das Lastentier unter den Transportsystemen und weist ein besonders günstiges Treibhausgas-Leistungsverhältnis auf. Mit etwa 10,1 Millionen Tonnen transportierter Güter auf der Donau im Jahr 2014 in Österreich ist die Binnenschifffahrt jedoch immer noch ein unterforderter Juniorpartner im europäischen Transportnetz. Der Anteil des Binnenschiffs am Gesamtverkehrsaufkommen im österreichischen Donaukorridor betrug 2014 12 Prozent. Mit der Europäischen Donauraumstrategie will die Europäische Union den Anteil der Binnenschifffahrt am gesamten Güterverkehr auf 20 Prozent erhöhen und schärft den Fokus für die effizientere Nutzung und Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger. Wie auch schon das Vorläuferprogramm NAIADES (2006 – 2013) widmet sich der europäische Aktionsplan NAIADES 2 bis 2020 den dafür notwendigen infrastrukturellen, marktwirtschaftlichen und technisch-ökologischen Maßnahmen zur verantwortungsbewussten Förderung des multimodalen Transports. Um die von NAIADES festgelegten Ziele auch konsequent zu erreichen, koordiniert sich viadonau gemeinsam mit 12 Partnern aus 7 verschiedenen Ländern im dafür von der Abteilung für Transport und Mobilität (DG MOVE) der Europäischen Kommission ins Leben gerufenen Umsetzungsprojekt PLATINA 2 (2013 – 2016). Mit dem Nachfolgeprojekt von PLATINA (2008 – 2012) werden gezielt Anreize für die Binnenschifffahrt geschaffen und die Weichen für eine nachhaltige Zukunftsperspektive entlang der europäischen Wasserstraßen gestellt. Die effizientere Nutzung der Wasserstraße Donau steht auch im Mittelpunkt des 2015 gestarteten Nationalen Aktionsprogramms Donau des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie. Gemeinsam mit viadonau werden Umwelt-, Sicherheits- und wirtschaftliche Interessen gezielt zusammengeführt und so eine ausgewogene nachhaltige Entwicklung im österreichischen Donauraum gewährleistet.

Durch Modernisierung Vorteile stärken
Als natürlicher Verkehrsträger wird gerade die Wasserstraße von klimatischen Veränderungen besonders stark beeinflusst. Wetterextreme wie ausgedehnte Trockenperioden (Niedrigwasser) aber auch Starkregen (Hochwasser) beeinträchtigen die Transportkapazität und gefährden die Sicherheit der Binnenschifffahrt. Um die Nutzung der Wasserstraße Donau auch weiterhin möglichst zuverlässig zu gewährleisten, ist ein gemeinsames grenzübergreifendes Vorgehen notwendig. Mit dem Ende 2014 beschlossenen Masterplan für die gemeinsame Instandhaltung der Donau und ihrer schiffbaren Nebenflüsse gelang ein entscheidender Schritt zu einem gemeinschaftlich koordinierten Wasserstraßenmanagement entlang der gesamten Donau.  

Gute Rahmenbedingungen nutzt man besser mit moderner Technik. Das typische Binnenschiff auf dem österreichischen Donauabschnitt ist meist ein betagter Veteran – leistungsfähig aber technisch deutlich in die Jahre gekommen. Um es fit zu halten für die technischen und ökologischen Herausforderungen der Zukunft, muss auch Modernisierung daher ganzheitlich gedacht werden. Instandhaltung der Wasserstraße und schiffstechnische Innovationen gehen bei der Entwicklung eines modernen multimodalen Transportnetzes Hand-in-Hand. Besonders wichtig für viadonau: die Verbindung von Flexibilität und Treibstoffeffizienz. In internationalen Projekten wie MOWE-IT und ECCONET widmete sich viadonau gemeinsam mit Forschungsinstituten und Unternehmen bereits intensiv den Auswirkungen des Klimawandels auf die Binnenschifffahrt und Möglichkeiten, einem drohenden Transportrückgang auf den europäischen Wasserstraßen bis 2050 gezielt entgegenzuwirken. Aber welche technischen Schritte sind notwendig, um die Schifffahrt optimal auf schwieriger werdende Rahmenbedingungen vorzubereiten und zugleich ökologisch sinnvoll ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen? In Projekten wie MoVeIT! und „Innovative Danube Vessel“ wurde dazu das Potenzial verschiedener Modernisierungsstrategien ausgelotet und vielversprechende Schiffskonzepte mit unterschiedlichen Schwerpunkten erarbeitet. Dabei konnte gezeigt werden, dass etwa durch Modifizierung einzelner Konstruktionselemente des klassischen Schubschiffes bereits eine höhere Betriebsleistung und Transportkapazität erzielt werden kann. Der Einsatz des LNG-Treibstoffes (Flüssigerdgas) bietet zusätzliches emissionsverringerndes Potenzial. Die Schiffsstudie „LNG selbstfahrendes Schiff mit flexiblem Tunnel“ verbindet schließlich eine deutlich höhere Einsatzflexibilität durch neuartige Steuerungselemente mit den Vorteilen des LNG-Treibstoffes. Die Konzepte ermöglichen eine Treibstoffkostenersparnis zwischen 10 und 25 Prozent bei gleichzeitig höherer Leistungsfähigkeit – innovative und vor allem machbare Lösungsoptionen, die das Zukunftspotenzial der Binnenschifffahrt noch deutlich steigern können. Umweltfreundliche Investitionen in Güterschiffe, die regelmäßig auf der österreichischen Donau unterwegs sind, werden hierzu vom bmvit mit einem eigenen Förderprogramm finanziell unterstützt.

Potenzial nutzen lernen
Was nützt das modernste Instrument, wenn man nicht darauf zu spielen weiß? Um die wirtschaftlichen Vorteile des Binnenschiffs aber auch seine Stärken als umweltfreundliche Transportalternative optimal zu nutzen, sind maßgeschneiderte Bildungsangebote wichtig. Welche spezifischen Anforderungen hat der Transport mit dem Binnenschiff? Wie funktionieren Transportplanung und Umschlagsprozesse? Welche navigationstechnischen Hilfsmittel kommen zum Einsatz? Seit 2012 vernetzen viadonau und das Logistikum der FH Oberösterreich in Steyr Bildungseinrichtungen, Forschungsinstitute und Wirtschaft, um speziell aufbereitete Lehrangebote für die Logistikexpertinnen und –experten der Zukunft anzubieten. Mit REWWay – Research & Education in Waterway Logistics – entstand so eine neuartige und wirkungsvolle Bildungsplattform, die sich ausschließlich dem zukunftsträchtigen Wirtschaftsbereich Wasserstraße und seiner Professionalisierung widmet – mit Wissen und Erfahrung zur wirtschaftlichen Effizienz und ökologischen Nachhaltigkeit der Binnenschifffahrt.

„Die friedlichste aller Revolutionen“
Die Worte von Frankreichs Präsident Francois Hollande am Ende der 21. Weltklimakonferenz verdeutlichten die Tragweite des errungenen Abkommens und seine enorme Bedeutung für die gemeinsame Zukunft – jeder ist gefordert. Mit der engagierten Förderung der Vernetzung, Modernisierung und Professionalisierung der Binnenschifffahrt zeigt viadonau die Wasserstraße als echte Alternative und wirkungsvollen Mitstreiter in der globalen Revolution gegen den fortschreitenden Klimawandel und seine Folgen. 2015, das Jahr der historischen Einigung, war für zahlreiche Weltregionen das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

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