Schiffstypen

Je nach Kombination von Antriebseinheit und Laderaum lassen sich grundsätzlich drei Typen von Güterbinnenschiffen unterscheiden, die auf der Donau und ihren schiffbaren Nebenflüssen zum Einsatz kommen:

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2er Schubverband in Wien
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Motorgüterschiff
  • Motorgüterschiffe (oder "Selbstfahrer") sind mit einem Motor und einem Laderaum ausgestattet. Motorgüterschiffe können in Trockengüter-, Tank-, Container- und RoRo-Schiffe unterteilt werden (siehe weiter unten "Hauptschiffstypen nach Güterart")
  • Schubverbände bestehen aus einem Schubschiff (Motorschiff, das dem Schieben dient) sowie einem oder mehreren antriebslosen Schubleichtern oder Schubkähnen, die fest mit der schiebenden Schiffseinheit verbunden sind. Kommt in einem Schiffsverband als Antriebseinheit anstatt dem Schubschiff ein Motorgüterschiff zum Einsatz, so spricht man entweder von Koppel- oder Schub-Koppelverbänden. Ein Koppelverband besteht aus einem Motorgüterschiff, an das seitlich ein bis zwei Leichter oder Kähne gekoppelt sind, während in einem Schub-Koppelverband seitlich ein bis zwei Leichter oder Kähne an das Motorgüterschiff gekoppelt und diesem zusätzlich mehrere Leichter oder Kähne vorangestellt sind.

Schubschifffahrt

Im Güterschiffsverkehr dominiert auf der Donau die Verbandsform (Schub-, Koppel- und Schub-Koppelverbände). Der überwiegende Teil aller Transporte wird durch Schiffsverbände, der Rest durch einzeln fahrende Motorgüterschiffe abgewickelt. Am Rhein ist das Verhältnis von Verbänden zu einzeln fahrenden Motorgüterschiffen umgekehrt.

Die Grundregel für die Formationsbildung von Schiffsverbänden lautet: Schiffseinheiten in Verbänden sind so zu gruppieren, dass die Wasserwiderstände bei Fortbewegung möglichst gering sind bzw. ausreichende Stopp- und Manövriereigenschaften gewährleistet werden können (z. B. in der Talfahrt). Um den Widerstand zu verringern, werden die Leichter nach hinten versetzt angeordnet.

Falls die entsprechenden technischen Einrichtungen an den Schiffseinheiten vorhanden sind, können Schiffsverbände nicht starr, sondern mit gelenkigen Verbindungen gekuppelt werden, um Kurven mit besonders starken Krümmungsradien mit Verbänden besser durchfahren zu können. Zu Berg, d. h. in der Fahrt stromaufwärts, soll der Verband eine möglichst geringe Querschnittsfläche für möglichst geringen Widerstand aufweisen, weshalb die Leichter hintereinander, in einer sogenannten Zigarren- oder Spargelform, angeordnet werden. Im Gegensatz dazu werden die Leichter in der Fahrt zu Tal (stromabwärts) parallel angeordnet, um die Manövrierfähigkeit des Verbandes und vor allem das Anhalten in Strömungsrichtung zu erleichtern.

  • Schleppschiffe dienen zum Ziehen von antriebslosen Schiffseinheiten, sogenannten Schleppkähnen (Schiffe zur Beförderung von Gütern mit Ruderstand zur Steuerung). Die Schleppschifffahrt kommt heute auf der Donau aufgrund ihrer im Vergleich zur Schubschifffahrt zu geringen Wirtschaftlichkeit kaum noch vor.

Hauptschiffstypen nach Güterart

Eine weitere Unterscheidung zwischen Güterschiffstypen kann basierend auf den Güterarten vorgenommen werden.

Trockengüterschiffe
Tankschiffe
Containerschiffe
RoRo-Schiffe

Trockengüterschiffe

Trockengüterschiffe werden für die Beförderung verschiedenster Güter eingesetzt, darunter etwa Rundholz, Stahlzylinder (Coils), Getreide und Erze. Diese Schiffe sind universell einsetzbar, wodurch sich die Zahl der Leerfahrten (also Fahrten ohne Rückladung) reduzieren lässt. Schiffe dieser Kategorie können in der Regel zwischen 1.000 und 2.000 t an Gütern laden und werden auf der Donau auch häufig in Koppel- bzw. Schub-Koppelverbänden eingesetzt. Trockengüterschiffe können in drei Hauptklassen eingeteilt werden, die in der Abbildung anbei spezifiziert sind.

Tankschiffe

Tankschiffe transportieren verschiedene Arten von Flüssiggütern, wie z. B. Mineralöl und Derivate (Benzin, Diesel, Heizöl), chemische Produkte (Säuren, Basen, Benzol, Styrol, Methanol) oder Flüssiggase. Beim Großteil der erwähnten Flüssiggüter handelt es sich um Gefahrgüter, für deren Transport spezielle Tankschiffseinheiten mit entsprechenden Sicherheitseinrichtungeneingesetzt werden. Besonders relevant in diesem Zusammenhang sind europäische Vorschriften und Empfehlungen wie das Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung von gefährlichen Gütern auf Binnenwasserstraßen (ADN) und die Bestimmungen für die Beförderung von gefährlichen Gütern auf der Donau (ADN-D) sowie die nationale Gefahrgutgesetzgebung.

Auf der Donau eingesetzte Tankschiffe haben eine durchschnittliche Ladekapazität von rund 2.000 t. Wie in der Trockenschifffahrt wird auf der Donau auch der Transport von Flüssiggütern vorwiegend durch Schubverbände durchgeführt.

Moderne Tankschiffe verfügen über eine Doppelhülle, die im Falle einer Beschädigung der Außenhaut den Austritt von Ladegut verhindert. Um eine Reaktion der transportierten Güter mit der Oberfläche der Tanks zu verhindern, werden Edelstahltanks oder Laderäume mit spezieller Beschichtung verwendet. Durch den Einsatz von Heizvorrichtungen und Ventilen können frostempfindliche Güter auch im Winter transportiert werden, und Berieselungsanlagen auf Deck schützen die Tanks vor der Sommerhitze. Flüssiggase werden in speziellen Behältern unter Druck und im gekühlten Zustand transportiert. Die meisten Tankschiffe haben Pumpen an Bord, mit denen die Güter auch in Häfen ohne spezielle Ladesysteme direkt aus den bzw. in die Tanks verladen werden können.

Containerschiffe

Containerschiffe sind eigens für den Containertransport konstruierte Schiffe, die derzeit vor allem im Rheingebiet zum Einsatz kommen. Im Donauraum werden Containerschubverbände mit vier Leichtern als optimaler Weg zur Erhöhung der Auslastung angesehen. In Summe verfügt ein derartiger Schubverband über eine Ladekapazität von bis zu 576 TEU - jeder Leichter fasst somit 144 TEU, d. h. drei Containerlagen zu je 48 TEU.

RoRo-Schiffe

Roll-on-Roll-off bedeutet, dass die transportierten Objekte über hafen- oder schiffseitige Rampen selbstfahrend ver- und entladen werden. Zu den wichtigsten der auf diese Weise transportierten Gütergruppen zählen Personenkraftwagen, Bau- und landwirtschaftliche Maschinen, Sattelzüge und Sattelauflieger ("Schwimmende Landstraße") sowie Schwergüter und überdimensionale Güter.

Der überwiegende Teil von RoRo-Transporten wird mit speziell konstruierten Schiffen, wie z. B. Katamaranen, durchgeführt. Katamarane sind Doppelrumpf-Schiffe, deren beiden Rümpfe über das Deck verbunden sind, wodurch sich eine große, durchgängige Abstellfläche für rollende Güter ergibt.

Ulf Meinel

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